„Hauptsache gesund“, sagt Maria. Für sie gibt es in Rumänien keine Versorgung vom Staat, mit der sie sich im Krankheitsfall noch ein gutes Leben vorstellen könnte. Ihre Gesundheit ist für sie einfach existenzbestimmend, entscheidet über die Qualität ihres Lebens.

Moritz meint: „Erst während meiner schweren Krankheit wurden mir die Augen geöffnet. In dieser schweren Zeit habe ich eine Intensität von Leben erfahren, die ich 20 Jahre nicht gekannt habe. Mir ist, als hätte ich vorher gar nicht richtig gelebt“.

Helmut beginnt zu strahlen: „Wenn meine Familie zusammenkommt und wir alle um den großen Tisch in der Küche sitzen und uns bis spät in die Nacht austauschen können – das ist für mich ein gutes Leben“.

Für Ira dagegen ist Familie nervig. „Mir sind viele Menschen einfach zu viel. Ich brauche Ruhe, Zeit für mich allein. Ein paar Freunde, die ich treffe und die ich mag. Aber dann auch wieder meine Zeit für mich, unabhängig und frei“.

Birgit braucht nicht lange nachzudenken: „Wenn ich mich bewegen und tanzen kann. Musik und Leben – die gehören für mich einfach zusammen“. Und denkt dabei wieder an das halbe Jahr zurück, das sie für ein Entwicklungshilfeprojekt in Kenia verbracht hat, voller Intensität, Tanz und Leben.

Für Otto steht fest: „Ich halte mein Leben für besonders gelungen,  wenn mir meine Arbeit Freude macht – ein Dankeschön meiner Kunden ist für mich das Höchste“.

Hartmuts Antwort kommt schnell: „Wenn mir mein Job ein Auto, ein Haus und ein Boot für mich und meine Familie ermöglicht. Ich möchte, dass meine Kinder es einmal besser haben als ich. Für mich war der Start hart und entbehrungsreich“.

„Ein gutes Leben – was ist das eigentlich?“ 
Sieben Menschen habe ich gefragt, sieben Antworten habe ich bekommen. Jeder von ihnen nennt etwas anderes, was für ihn ein gutes Leben ausmacht. Und bei jeder Antwort merke ich, wie ernst es jeder meint. Bei der Frage nach dem guten Leben wird mir klar, wie individuell die Vorstellung von einem „guten“ Leben ist – jede Antwort ist ein Spiegelbild unserer menschlichen Vielfalt. Jede Antwort ist richtig und wirkt bereichernd. Und so versuche ich für mich die Antworten so zusammenzufassen: Beim guten Leben geht es mir persönlich nicht vordergründig um ein schönes Leben, in dem ich immer nur glücklich bin.

Für mich geht es vielmehr um ein gelebtes Leben – um ein Leben, in dem ich mich lebendig mit mir selbst, mit meiner Umwelt auseinandersetze. Für mich ist das Lernen an mir selbst der Kernaspekt schlechthin. Dazu gehört für mich der Austausch mit Menschen unbedingt dazu. Ich stelle mich meinen Mitmenschen zur Verfügung, nehme diese an, auf und wahr. Öffne mich so für die anderen Wahrheiten um mich herum, entdecke sie außerhalb meiner eigenen Wahrheiten.

Keine Frage: Harmonie ist eine wunderbare Kraft für ein gutes Leben – aber ohne Auseinandersetzung und Reibung – könnte ich so ein Leben wirklich dauerhaft aushalten und gutheißen, bin ich doch als in mir selbst widerstreitendes Wesen angelegt? Und diese Vielschichtigkeit zuzulassen, zu akzeptieren, dass es mehr als eine Antwort, einen Lebensentwurf gibt, das gehört für mich dann wesentlich zum guten Leben.

Ulrike v. Bergmann-Korn

 

 

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